FRAGEN AN DEN KOPSCHMERZ MEDIZINER

 

Wie kann ich meine Migräne in der Schwangerschaft behandeln?

Ist es schlimm, wenn ich in der Frühschwangerschaft aus Versehen ein Triptan eingenommen habe?

Beeinflusst die Pille meine Migräne?

Welche Therapien und Präparaten können alternativ oder ergänzend zu einer konventionellen Behandlung der Migräne eingesetzt werden ?

Sehr häufig findet sich zu Kopfschmerz auch eine Depression, wie ist das mit dem Serotoninsyndrom?

 

 

Wie kann ich meine Migräne in der Schwangerschaft behandeln?

Grundsätzlich gilt, dass die Mehrzahl der Frauen (70-80%) während der Schwangerschaft deutlich weniger, gelegentlich sogar gar keine Migräneattacken haben. Dieser positive Effekt stellt sich meist ab dem 2. Trimenon ein und kann bis in die Stillperiode hineinreichen. Nach ärztlicher Aufklärung darüber, dass nach dem ersten Trimenon häufig eine Besserung bzw. ein komplettes Sistieren der Migräneattacken zu erwarten ist, verzichten viele Patientinnen darauf, Migräneattacken leichter bis mittlerer Intensität medikamentös zu behandeln. Lokale Kälteapplikation, Rückzug in ein dunkles ruhiges Zimmer und Schlaf können die Symptome einer Attacke lindern. Obwohl eine medikamentöse Behandlung zurückhaltend erfolgen sollte, kann sie bei starken Schmerzen ev. sogar verbunden mit Erbrechen notwenig werden. In allen Stadien der Schwangerschaft kann Paracetamol (z.B. Mexalen®) in therapeutischen Dosen (500 bis 1000 mg) über kürzere Zeit relativ sicher verwendet werden. Nicht-steroidale Antirheumatika wie z.B. Naproxen 500 –550 mg (z.B. Miranax® oder Proxen®), Ibuprofen 400-800 mg (z.B. Brufen®) und Acetylsalicylsäure (Aspirin®) sollten ausschließlich im 2. Trimenon, jedoch nur bei Nicht-Ansprechen auf Paracetamol verwendet werden. Acetylsalicylsäure und nicht-steroidale Antirheumatika erhöhen das Blutungsrisiko, am Ende der Schwangerschaft können sie durch einen vorzeitigen Verschluss eines Gefäßes beim Embryo (des Ductus arteriosus Botalli) zu ernsten Folgen beim Neugeborenen führen.
Medikamente zur Bekämpfung der Übelkeit und des Brechreizes wie Metoclopramid (Paspertin®) und Domperidon (Motilium®) können in der Schwangerschaft relativ problemlos verwendet werden. Sie werden auch bei Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt. Allerdings ist Vorsicht beim Stillen geboten. (G.S.)

Ist es schlimm, wenn ich in der Frühschwangerschaft aus Versehen ein Triptan eingenommen habe?

Migränespezifische Medikamente aus der Substanzgruppe der Triptane (Imigran®, Maxalt®, Relpax®, Zomig®, Naramig®) sind für den Einsatz während der Schwangerschaft nicht zugelassen. Es liegen jedoch Daten aus Schwangerschaftregistern pharmazeutischer Firmen von mehreren Hunderten Patientinnen vor, welche während der Schwangerschaft und zwar meist im ersten Drittel aus Versehen Triptane eingenommen hatten. Bei all diesen Patientinnen zeigte sich im Vergleich zur Normalbevölkerung weder ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko noch eine erhöhte Spontanabortrate. Die bisher erhobenen Daten zu Sumatriptan und Schwangerschaft sind also ermutigend. Allerdings ist die Zahl an Schwangerschaften unter Sumatriptanexposition noch zu gering, um definitiv ein vielleicht auch nur gering erhöhtes Risiko für Fehlbildungen auszuschließen. Abschließend muss man sagen, dass bei derzeit noch zu geringer Datenlage schwangeren Frauen weiterhin keine Triptane verabreicht werden sollten. Bei versehentlicher Einnahme ist eine Schwangerschaftsabbruch allerdings nicht indiziert.
Niedrige Konzentrationen der Triptane werden in der Muttermilch nachgewiesen. Die in der Muttermilch gemessenen Werte sind aber deutlich niedriger als die Serumspiegel im mütterlichen Blut, so dass eine ungünstige Wirkung auf das Kind eher unwahrscheinlich ist. (G.S.)

Beeinflusst die Pille meine Migräne?

Neuere Pillenpräparate, üblicherweise mit niedrigem Östrogenanteil, beeinflussen die Migräne in ihrem Verlauf üblicherweise nicht. Es kommt anders als bei älteren Pillenpräparaten mit hohem Östrogenanteil (50-100 mcg Ethinylöstradiol) nur selten zu einer Verschlechterung der Migräne. Falls es nach Beginn der Pille zum Erstauftreten und gehäuftem Auftreten einer Migräne mit Aura kommt, sollte sie wieder abgesetzt werden. Ebenfalls selten ist eine Besserung der Migräne durch die Pilleneinnahme. Nachgewiesen ist auch, dass die Migräne bei dem herkömmlichen Einnahmeschema von 21 Tagen mit nachfolgender 7 tägiger Pillenpause, v.a. in der einnahmefreien Zeit auftritt. Allerdings tritt die Migräne ohnehin auch bei Patientinnen, welche keine Pille verwenden, gehäuft zur Zeit der Menstruation auf. (G.S.)

Welche Therapien und Präparaten können alternativ oder ergänzend zu einer konventionellen Behandlung der Migräne eingesetzt werden ?

Stellungnahme von Professor Edzard Ernst, Lehrstuhl für Komplementärmedizin, Universität Exeter (GB), Geowissen, 2008

Zur Therapie eines Migräneanfalls gibt es kein alternativmedizinisches Verfahren, welches erwiesenermaßen heilt.

Wahrscheinlich wirksam :
Biofeedback, Entspannungstechniken sind oft nützlich, um vorbeugend die Häufigkeit von Anfällen zu vermindern.

Wirksamkeit vermutet, aber ungeklärt :
Akupunktur, Koenzym Q10, Fischölpräparate, Massage, Mutterkraut, Pestwurz, Yoga

Wirkungslos oder schädlich :
Chiropraktische Wirbelsäulenmanipulation, Homöopathika

Therapieempfehlungen österreichische Kopfschmerzgesellschaft, 2003 :

Massage, Thermotherapie, TENS, Manualtherapie, Physiotherapie :
„vorsichtig“ positive Bewertungen, aber Studien fehlen

Akupunktur :
Keine ausreichende Studienlage, Diagnose oft zweifelhaft, Therapietechnik unterschiedlich, eher nur kurz anhaltende Wirkung

Homöopathie :
Beliebt, nicht schädlich, kein Evidenz-basierter Effekt nachgewiesen, Studien notwendig

Naturheilverfahren, Pfefferminz, Mutterkraut, Pestwurz, Diätprogramme, Bachblüten, Bioresonanz, Magnetfeld, Psychophonie:
Positive Wirkungen im Einzelfall ? Plazeboeffekt ?
(U.B.)

Sehr häufig findet sich zu Kopfschmerz auch eine Depression, wie ist das mit dem Serotoninsyndrom?

Bei Schmerz und koexistenter Depression ist das Chronifizierungsrisiko besonders hoch. Mathew (1996) führt als Faktoren für den Übergang von episodischen in chronischen Kopfschmerz an :
Medikamentenübergebrauch (Analgetika, Ergotamine, Triptane), Persönlichkeitsstörungen, Depression, Stress, traumatische Lebensereignisse.
Für das Management der Migräne (AAN, 2000) werden u.a. folgende Präparate angeführt :
Antiepileptika, Betablocker, Kalziumkanalblocker und Antidepressiva (TCA, SSRI und weitere).
Amitriptylin wird in der Migräneprophylaxe empfohlen, wenn eine Kombination mit einem Spannungskopfschmerz vorliegt oder zusätzlich eine Depression besteht (Diener, 2005).
Zum Serotonin-Syndrom existieren Fallberichte (Kombinationstherapie mit Triptanen, SSRI, Hypericum: Bonetto, 2007), klinisch bestehen psychische Auffälligkeiten, autonome Überaktivität, neuromuskuläre Symptome.
Eine Nachfolgeuntersuchung bei 1784 Patienten, welche neben Sumatriptan auch eine Therapie mit SSRI erhielten, ergab keinen Fall eines Serotonin-Syndromes(Putnam, 1999).
Die Verschreibung von SSRI zugleich mit Triptanen ist sehr häufig (21%), das Risiko für ein Serotonin-Syndrom sehr gering (<0,03% bis < 0,002%) (Schapiro , 2007). (U.B.)