AKTUELLES
ZUSAMMENARBEIT VON INTERNATIONALER HEADACHE SOCIETY (IHS) UND INTERNATIONAL ASSOCIATION FOR THE STUDY OF PAIN (IASP) UNTER MITARBEIT DER ÖKSG INTENSIVIERT.
Die Periode von Oktober 2011 bis Oktober 2012 wurde zum “Global Year against Headache” ausgerufen. Die beiden großen Schmerzgesellschaften, die International Headache Society (IHS) und die International Association for the Study of Pain (IASP) , wollen damit die Aufmerksamkeit für Kopfschmerzerkrankungen erhöhen und damit der hohen Anzahl an betroffenen Menschen Rechnung tragen.
Experten aus mehreren Kopfschmerzzentren in Europa darunter auch die ÖKSG, vertreten durch Dr. Brössner Gregor, haben zu den unterschiedlichen Kopfschmerzerkrankungen sog. “Fact sheets” erstellt. Diese wurden in mehrere Sprachen übersetzt und sollen dem interessierten Laien als auch behandelnden Ärzten eine Kurzübersicht des jeweiligen Erkrankungsbildes geben (siehe dazu auch: www.iasp-pain.org/GlobalYear/Headache).
ENTWICKLUNG VON CGRP-ANTAGONIST TELCAGEPANT WIRD NICHT WEITERGEFÜHRT
Mit den CGRP-Antagonisten MK-0974 und MK-3207 wurde ein neuer Therapiemechanismus in der Migränebehandlung für die klinische Anwendung entwickelt. Es handelt sich dabei um zwei in klinischen Forschungsprogrammen befindliche CGRP-Antagonisten für die Behandlung der Migräne. CGRP-Antagonisten wurden als die entscheidende Neuerung in der Behandlung der Migräne der kommenden Jahre angesehen. Der Wirkstoff Telcagepant besitzt eine neuartige Wirkungsweise indem er einerseits Migräneattacken kupieren kann, andererseits jedoch nicht zu einer Gefäßverengung führt und auch nicht über den Serotoninmechanismus funktioniert.
Aufgrund von Leberwerterhöhungen bei einzelnen Patienten wurde die Zulassung von Telcagepant verzögert. Dabei wurden bei drei Patienten Leberwerterhöhungen festgestellt. Allerdings war die Dosierung als auch die Häufigkeit der Anwendung in den Studien zur Vorbeugung der Migräne unterschiedlich zu den Studien, in denen das Arzneimittel zur Akutbehandlung einzelner Migräneattacken intermittierend eingesetzt wurde.
Die Auswertung weiterführender Sicherstudien einschließlich einer aktuellen sechsmonatigen Phase III Studie führte am 29.7.2011 zu der Mitteilung, dass die klinische Entwicklung von Telcagepant nicht weitergeführt wird.
01.08.2011
IN MEMORIAM PROF. DIETER KLINGER
Bestürzt und in tiefer Trauer muss ich Ihnen das Ableben von Univ. Prof. Dr. Dieter Klingler zur Kenntnis bringen. Er verstarb überraschend am 24.03.2011.
Das Leben von Dieter Klingler war geprägt durch hartes Arbeiten, Glauben an die eigene Kraft, Ehrgeiz und auch so manch glückliche Fügung.
Prof. Klingler wurde am 22.09.1936 in Temesvar in Rumänien geboren.
Nach Absolvierung der Matura im deutschen gemischten Lyzeum zu Temesvar, war er von 1953 bis 1955 zunächst Schichtarbeiter in einer Furnierfabrik.
Anschließend verdiente er als Lohnbuchhalter seinen Lebensunterhalt, da er als Deutscher in Rumänien zunächst keine Chance für ein Hochschulstudium bekam. Schließlich gelang es ihm von 1955 bis 1959 an der medizinischen Fakultät in Temesvar sein Medizinstudium zu beginnen, das er anschließend bis 1961 an der medizinischen Fakultät in Innsbruck fortsetzte. |
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Prof. Klingler promovierte am 15.07.1961 zum Dr. der gesamten Heilkunde an der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck.Seine Ausbildung zum praktischen Arzt absolvierte er im AKH Linz und er entschied sich relativ rasch für die Ausbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie.
Im Jahre 1964 absolvierte er ein neurologisch/psychiatrisches Jahr bei Prof. Dr. Hans Hoff an der Universitätsklinik Wien. Von dort kehrte er mit viel Enthusiasmus für die Neurologie und Psychiatrie an das AKH Linz zurück, um seine Facharztausbildung bei Prim. Dr. Peichl zu beenden.
1969 diplomierte er zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und erhielt einen Sondervertrag am AKH Linz für die Leitung eines klinisch, elektro-neurophysiologischen Labors.
Mit 01.01.1978 wurde er zum Leiter der Abteilung für Neurologie und Psychiatrie am AKH Linz bestellt.
Während seiner Schaffenszeit als Primarius am AKH Linz erzeugte er eine rege wissenschaftliche Tätigkeit, die ihn auch zu mehreren Studienaufenthalten ins Ausland (u.a. Universität Kopenhagen, medizinische Fakultät Brüssel, Mayo Clinic Rochester, New York University) führte. Er habilitierte 1983 an der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck. 1989 wurde ihm der Titel a.o. Univ.Prof. verliehen.
Dieter Klingler war Gründungsmitglied und bis 1996 erster Präsident der österreichischen Schmerzgesellschaft, Präsidiumsmitglied der Gesellschaft österreichischer Nervenarzt und Psychiater, sowie Vorstandsmitglied der österreichischen Parkinsongesellschaft.
1986 wurde ihm der Prof. Dr. Reisner-Preis auf dem Gebiet der Epileptologie verliehen.
1990 erhielt er das goldene Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich.
Prof. Dieter Klingler war bis zuletzt Mitglied der österreichischen Gesellschaft für Neurologie und der österreichischen Kopfschmerzgesellschaft.
Bereits vor seiner Emeritierung im Jahr 2002 war Prof. Klingler als freier Mitarbeiter des Bundesministeriums für Gesundheit mit Schwerpunkt der Arbeit: Entwicklung und Weiterbetreuung der 1997 eingeführten bundeseinheitlichen leistungsbezogenen Krankenhausfinanzierung (LKF) tätig. Diese Funktion übte er bis 2005 aus.
Mit Prof. Klingler verliert die Neurologie in Österreich eine große Persönlichkeit, deren Schaffenskraft und Einfluss über das Ableben hinaus weiter wirken wird.
Ich bitte Sie alle das Andenken an Prof. Dr. Dieter Klingler über sein Ableben hinaus zu bewahren.
Christian Lampl, sein Schüler
Präsident der ÖKSG
PATIENTENZUFRIEDENHEIT BEIN DER AKUTTHERAPHIE DER MIGRÄNE MIT ELETRIPTAN IN DER ÄRZTLICHEN HAUSARZTPRAXIS
R.B. Nett, P.J.Tiseo, M.Almas, C.R. Sikes
International Clinical Practice, October 2007, 61, 1677 – 1685
ANSATZ
Die Wirksamkeit von Eletriptan in der Akuttherapie der Migräne ist durch klinische Studien mehrfach belegt, nicht jedoch in der ärztlichen Grundversorgung. Das Ziel dieser Open – label – Studie war die Zufriedenheit mit der Akuttherapie der Migräne durch Eletriptan 40mg zu evaluieren. Hierbei wurde eine Zufriedenheitsskala (MSQ – Medication Satisfactory Questionnaire), bewertet durch Patienten selbst, verwendet.
METHODIK
Eingeschlossen wurden Patienten, die an einer Migräne leiden, gemäß der Kriterien der IHS, mit 1 – 6 Attacken pro Monat und einer minimalen Krankheitsdauer von 1 Jahr. Der primäre Endpunkt war der Unterschied in den Zufriedenheitsscores zwischen der bis jetzt eingenommenen Akuttherapie und Eletriptan 40mg. Der sekundäre Endpunkt bewertete die Lebensqualität, das Wirken und die Effektivität der Behandlung.
RESULTATE
590 Patienten wurden gescreent, 437 davon wurden eingeschlossen. Senkung des Schweregrades einer Attacke (95,2%), Zeitpunkt des Wirkungseintritt (88,8%) und Wirkungsdauer (83,8%) wurden von den Patienten am wichtigsten bezüglich der Wirkung von Eletriptan bewertet. Die durchschnittliche Zufriedenheit gemessen mit dem MSQ war für Eletriptan höher als für herkömmliche Schmerzmedikamente (2.2 ± 3.0 vs. 0.6 ± 2.4; p < 0.001). Die hohe Zufriedenheitsrate für Eletriptan reflektiert sich in der Verbesserung der Lebensqualität und Alltagstauglichkeit der Patienten sowie im hohen Ansprechen bezüglich Senkung der Kopfschmerzstärke und der kopfschmerzfreien Zeit.
SCHLUSSFOLGERUNG
Die von Patienten berichtete Zufriedenheit mit Eletriptan 40mg war höher als bei herkömmlichen Analgetika in allen Punkten. Die Nutzung von auf Patienten ausgerichteten Scores zur Zufriedenheit bezüglich der Akuttherapie ist ein vielversprechender Ansatz, um den Effekt der Behandlung in der ärztlichen Grundversorgung zu beweisen.
Stellungnahme (CL, CS)
Diese Studie spiegelt Erfahrungen wieder, die eigentlich von jedem im Kopfschmerzbereich tätigen Arzt tagtäglich bemerkt werden. Da Eletriptan bzw. Triptane an sich spezifisch gegen den Migränekopfschmerz entwickelt wurden, ist es nicht verwunderlich, dass diese im Gegensatz zu herkömmlichen Analgetika auch viel besser bezüglich des Schweregrades einer Attacke, des Zeitpunktes des Wirkungseintritts und der Wirkungsdauer abschneiden. Eine Frage bleibt also offen: Wird ein eigener Zufriedenheitsscore in der Hausarztpraxis wirklich benötigt ? Würde dieser einen Vorteil bringen ?
Efficacy of Zolmitriptan Nasal Spray in Adolescent Migraine.
Authors: Lewis DW, Winner P, Hershey AD, Wasiewski WW.
Source: Pediatrics. 2007; 120(2): 390-6
Die Studie mit einem zweiarmigen Cross-over-Design wurde zur Evaluierung der Wirksamkeit von Zolmitriptan 5 mg Nasenspray in der Akuttherapie von Migräne-Kopfschmerzen bei Jugendlichen durchgeführt.
Für die Studie wurden jeweils zwei Kopfschmerzattacken bei 171 jugendlichen Patienten im Alter von zwölf bis 17 Jahren mit Studienmedikation therapiert. Dabei wurde zunächst jede Attacke einfach-blind mit Placebo behandelt und nur, wenn nach 15 Minuten kein Ansprechen zu verzeichnen war, kam die Studienmedikation Zomig® Nasenspray (5mg) bzw. Placebo zur Migränebehandlung zum Einsatz. Als primärer Endpunkt wurde das Ansprechen der Patienten durch Verminderung des Kopfschmerzes nach einer Stunde definiert. Zomig® Nasenspray erzielte nach einer Stunde mit 58,1% versus 43,3% (p < 0,05) eine signifikant höhere Ansprechrate in der Migränebehandlung. Zusätzlich wurde auch der anhaltende Therapieerfolg nach zwei Stunden untersucht. Beständig über einen Zeitraum von zwei Stunden konnte eine Kopfschmerzlinderung bei 51,4% versus 33,1% der Patienten (p < 0.01) für Zolmitriptan im Vergleich zum Placebo erzielt werden. Des Weiteren waren 27,7% und 39,2% der mit Zolmitriptan behandelten Patienten nach einer bzw. zwei Stunden schmerzfrei im Vergleich zu 10,2% und 18,9% der mit Placebo-behandelten Patienten (p < 0.01).
Die Jugendlichen mit Zomig® Nasenspray-Therapie konnten auch deutlich schneller ihre täglichen Aktivitäten wieder aufnehmen und benötigten zusätzlich zur Studienmedikation signifikant weniger Notfallmedikamente bei den Migräneattacken (p < 0,05).
Conclusion: Zomig® Nasenspray stellt somit eine signifikant wirksame und gut verträgliche Therapie für Migräne bei Jugendlichen dar und ermöglicht eine effektive Befreiung von Migränesymptomen.
Stellungnahme (CL)
Nicht nur Erwachsene, auch Kinder und Jugendliche leiden zeitweise unter Migräne oder Kopfschmerzen. Neben diversen nicht-medikamentösen Maßnahmen und Schmerzmitteln wurde nun auch Zomig® (Wirkstoff: Zolmitriptan) als 5 mg Nasenspray zur Akutbehandlung von Migräne für Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen. Die Wirksamkeit des Arzneimittels wurde in einer multizentrischen, doppelblinden, randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie nachgewiesen. Zomig® Nasenspray sollte angewendet werden, sobald der Migräne-Kopfschmerz beginnt oder sich ankündigt. Die übliche Dosis ist ein Sprühstoß (5 mg) in ein Nasenloch. Falls die Migränebeschwerden zwei Stunden nach der Anwendung des Sprays noch vorhanden sind oder innerhalb von 24 Stunden wiederkehren, kann ein weiterer Sprühstoß angewendet werden. Es sollten maximal zwei Sprühstöße innerhalb eines Tages erfolgen mit der maximalen Tagesdosis von 10 mg.
HiLIGHTing the impact of headache in EUROpe
Das EUROlight Projekt
EUROlight ist ein EU-Projekt unter dem Patronat der Global Campaign der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ‚ to reduce the global burden of headache' EUROlight erfolgt in Zusammenarbeit mit der European Headache Federation, der Europäischen Kopfschmerzallianz (NGO) und der Unterstuetzung der Europäischen Kommission.
EUROlight hat sich zum Ziel gesetzt die generellen Auswirkungen (insbesondere die sozio-okonomischen, therapeutischen Aspekte) von primären Kopfschmerzen europaweit zu untersuchen. Ein speziell dafür entworfener Fragebogen wurde in 10 verschiedenen europäischen Ländern eingesetzt und die Ergebnisse werden nunmehr zentral ausgewertet.
Das Projekt umfasst 24 Partner aus 15 Nationen, davon 13 EU Mitgliedstaaten (Belgien, Frankreich, Finnland, Holland, Deutschland, Großbritannien Irland, Italien, Litauen, Luxemburg, Österreich, Spanien, Ungarn,) Norwegen and Schweiz als EFTA-EEA Länder.
Das Ziel war durch einen einheitlichen Fragebogen, der gemeinsam von europaischen Kopfschmerzexperten und Patientenorganisationen validiert und entsprechend der teilnehmenden Ländern in deren Muttersprache übersetzt wird, einheitlichliche Informationen über das Disease-management, die Beeinträchtigung der Lebensqualität, sowie den sozioökonomische Folgen (Beruf, Arbeitsplatz, Freizeit, Familie) zu erhalten.
Eurolight ist die erste unabhängige Datenerfassung zu Kopfschmerzen auf europäischer Ebene mit einem ganzheitlichen, patientenorientierten und zugleich wissenschaftlich validiertem Focus.
Die Ergebnisse werden es ermöglichen Häufigkeit, Risikenfaktoren, Risikenreduktionenstrategien , Kosten und soziale Beduerfnisse abzuschätzen und in enger Zusammenarbeit mit ECHI und Eurostat ein zukünftiges europäisches Register aufzubauen.
Die Kenntnisse durch validierte Information zu Häufigkeit von Kopfschmerzerkrankungen, sowie relevante Indikatoren der physischen, emotionalen, sozio-ökonomischen Ebene sowie die aktuelle Krankheitsbehandlung sollen dazu führen, dass
ein globales Verständnis der Kopfschmererkrankungen zu erlangen
mittelfristig die Gesundheitsentscheidungsträger über Kopfschmerzerkrankungen zu sensitivisieren und bei der allgemeinen Bevölkerung, den Gesundheitswesenfachleuten, Gesundheitspolitkern, der Regierungen eine förderliche Änderung zu diesem Krankheitsbild hervorzubringen
Ärzte und Gesundheitsfürsorgefachleute sollen ihre leider immer noch weitverbreitete selbstgefällige Empfindung von Kopfschmerzenerkrankungen als unwesentlich, banal und unwürdig einer Behandlung ablegen; die globale Gesundheitswesendimension der Kopfschmerzen besser verstehen; Behandlungsstrategien und Krankheitsbetreuung optimieren; und letzten Endes, die Lebensqualität der von Kopfschmerzerkrankung Betroffenen zu verbessern.
Wir hoffen, da das Projekt nunmehr abgeschlossen ist, Ihnen bis Ende des Jahres eine umfassende Auswertung zukommen zu lassen. Alleine in Österreich wurden 6000 Fragebögen versandt, davon 4000 an Allgemeinmediziner, sowie 2000 an niedergelassene NeurologInnen. Der Rücklauf betrug 15%.
Wir danken der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, dem Konventhospital der Barmherzigen Brüder Linz, sowie Frau Gattinger und dem Team der Abteilung für Allgemeine Neurologie und Schmerzmedizin am Konventhospital der Barmherzigen Brüder für Ihre Unterstützungen.
Christian Lampl, Präsident
Mitglied des Steering Commite's des EUROlight Projekts
http://www.eurolight-online.eu/
CGRP-Antagonisten zur Akuttherapie der Migräneattacke?
(Juli 2009)
Im Oktober 2007 wurden erstmals Daten zur Wirksamkeit einer Substanz mit dem Namen MK-0974 (Telcagepant) bei Migräne veröffentlicht. Telcagepant ist ein neuartiger, oraler CGRP (Calcitonin Gene Related Peptide) – Rezeptorantagonist ohne direkte Vasokonstriktion. Bei einem Migräneanfall bindet CGRP an die entsprechenden Rezeptoren und aktiviert diese, so dass Schmerzreize weitergegeben werden. Telcagepant blockiert die Bindung von CGRP und hemmt so die Neurotransmission auf cellulärer Ebene. Erhöhte CGRP- Spiegel wurden schon 1988 im venösen Blut von Patienten während einer Migräneattacke nachgewiesen. Nach Ende der Attacke oder nach erfolgreicher Behandlung mit einem Triptan normalisiert sich der CGRP-Spiegel wieder. Die Wirkung der Triptane bei Migräne dürfte auf die Hemmung der Freisetzung des CGRP zurückzuführen sein. Dieser erwünschte Effekt wird über 5-HT1D-Rezeptoren vermittelt. Triptane aktivieren jedoch auch 5- HT1B-Rezeptoren, die den (unerwünschten) gefäßverengenden Effekt vermittelt. Hier setzen nun die CGRP-Antagonisten an. Ohne wie Triptane Serotoninrezeptoren zu beeinflussen, blockieren sie direkt den CGRP-Rezeptor.
In einer von Ho und Mitarbeitern in Neurology (1) veröffentlichten Untersuchung konnte gezeigt werden, dass Telcagepant eine akute Migräneattacke genauso effektiv unterbrechen kann wie Rizatriptan. Im Vergleich hielt die Wirkung sogar deutlich länger an, so dass die Wiederkehrkopfschmerzrate geringer ausfiel. So waren je nach Dosierung zwischen 22 und 39 % der Patienten auch noch 24 Stunden nach Einnahme von Telcagepant komplett schmerzfrei - verglichen mit 18 % bei Maxalt und nur 11 % bei Placebo.
In der im Lancet (2) Ende letzten Jahres veröffentlichten randomisierten, doppelblinden, mit Plazebo und aktiv (Zolmitriptan) kontrollierten Phase III Studie an 1.380 Patienten mit einer solitären mäßigen oder schweren Migräneattacke (gemäß Kriterien der International Headache Society) konnte gezeigt werden, dass 300 mg Telcagepant für alle fünf primären Endpunkte (Schmerzlinderung, Schmerzfreiheit, keine Phonophobie, keine Photophobie, keine Übelkeit) im Vergleich zu Plazebo signifikant besser abschnitt. Außerdem wurde bei Behandlung mit 300 mg Telcagepant eine ähnliche Wirksamkeit beobachtet, wie mit hoch dosiertem Zolmitriptan. Die Nebenwirkungsinzidenz hingegen war geringer.
1. Ho TW, Mannix LK, Fan X, Assaid C, Furtek C, Jones CJ, Lines CR, Rapoport AM; MK-0974 Protocol 004 study group. Randomized controlled trial of an oral CGRP receptor antagonist, MK-0974, in acute treatment of migraine. Neurology. 2008 Apr 15;70(16):1304- 12.
2. Ho TW, Ferrari MD, Dodick DW, Galet V, Kost J, Fan X, Leibensperger H, Froman S, Assaid C, Lines C, Koppen H, Winner PK. Efficacy and tolerability of MK-0974 (telcagepant), a new oral antagonist of calcitonin gene-related peptide receptor, compared with zolmitriptan for acute migraine: a randomised, placebocontrolled, parallel-treatment trial. Lancet. 2008 Dec 20;372(9656):2115-23.
Stellungnahme (CL): Die Markteinführung des Migränemedikaments Telcagepant, mit welcher ursprünglich noch im Jahr 2009 gerechnet wurde, ist allerdings nunmehr auf unbestimmte Zeit verschoben worden, nachdem während der Testphase erhöhte Leberenzyme bei den Probanden auftraten. Damit konfrontiert, wollte MSD Österreich keine konkreten Auskünfte geben. „ Man wird die internationale Entwicklung beobachten bzw. auf die Ergebnisse der laufenden Langzeitstudie warten “, hieß es eher lapidar. Erst dann werde man mit entsprechenden Informationen an die interessierte Öffentlichkeit gehen. Persönlich finde ich es äußerst befremdend, keine kompetente Auskunft über Telcagepant und zur speziellen Situation in Österreich zu bekommen. Die NeurologInnen, sowie andere Fachgruppen, haben dadurch, wieder einmal mehr, ein Informationsdefizit gegenüber der internationalen Kollegenschaft.
Over-the-Counter Triptans for Migraine: What are the Implications?
Authors: Tfelt-Hansen, Peer 1 ; Steiner, Timothy J. 2
Source: CNS Drugs , Volume 21, Number 11, 2007 , pp. 877-883(7)
In 2006, the triptans sumatriptan 50mg and naratriptan 2.5mg were approved as over-the-counter (OTC) drugs in pharmacies in the UK and Germany, respectively. Both drugs have been used in a large number of patients with migraine and are considered to have good safety profiles.
The implications of OTC triptan availability for clinical practice are that more migraine patients will use a triptan and will tend to medicate early when their headache is still mild, which should be beneficial. The problem with OTC access to triptans is medication overuse; therefore, patients should be warned of this and advised to use a triptan on fewer than 10 days per month.
Pharmacists should be educated regarding migraine types and symptoms and on contraindications to triptans, so they are then able to discern the patients who should receive triptans and, as importantly, those who should not.
The annual cost of migraine is euro27 billion in Europe, $US1.4 billion in the UK and $US16.6 billion in the US. By far the greatest opportunity for cost-savings comes from the potential to reduce costs associated with lost productivity from migraine. OTC availability of triptans will inevitably result in easier access to these medications, which, in turn, may result in improved treatment and lower migraine-related disability. There is currently a lack of empirical evidence that treating migraine effectively does in fact recover lost productivity; well designed studies are required to show this.
The availability of triptans OTC is a logical development for the better management of a common, benign, self-limiting but nonetheless burdensome disorder that is currently grossly undertreated. We welcome this development, but recognise that advice at the point of sale is crucial for effective and safe use of these drugs.
Stellungnahme (CL):
Diese Diskussion wird nunmehr auch Österreich erreichen. Es gibt Bestrebungen seitens der Firma GSK, das bereits in Deutschland als OTC erhältliche Naratriptan (Formigran®) auch in Österreich als OTC auf den Markt zu bringen. Hier ist die ÖKSG gefordert Stellung zu beziehen, und nach Abwägung Für und Wider Empfehlungen auszusprechen. Ich halte es zwingend für notwendig, den Antrag zur Entlassung aus der Verschreibungspflicht in enger Abstimmung mit der ÖKSG vorzubereiten. Das "Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz" ist auf den Weg gebracht und wirkt fraglos auch in den OTC-Markt hinein - voraussichtlich mit Konsequenzen, die zumindest bedingt im Sinne der politisch gewollten Stärkung der Selbstmedikation spürbar werden.
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